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© B. G. Welker 2011
  
Unsere Ernährung

„Manche Wahrheiten sollen nicht gesagt werden, manche brauchen nicht, manche müssen es.“ (Wilhelm Busch)


Die gesamte belebte Natur, von den Bakterien über Pflanzen bis zum Menschen, basiert auf dem Prinzip von Zellen.

Alle Zellen speichern ihre Erbinformation im gleichen linearen chemischen Code, der DNA (Desoxyribonukleinsäure), replizieren ihre Erbinformation durch Matrizen gesteuerte Polymerisation, übertragen Teile ihrer Erbinformation in die gleiche Zwischenform (RNA, Ribonukleinsäure), verwenden Proteine als Katalysatoren, übersetzen RNA auf die gleiche Weise in Protein, benutzen die gleichen Grundbausteine und sind von einer Plasmamembran umgeben, die die Integrität der Zelle aufrecht erhält, aber den Austausch von Nähr- und Abfallstoffen mit der Umgebung gewährleistet. Ein Gen enthält den Teil der Erbinformation, der zur Synthese eines Proteins erforderlich ist (Alberts B, Johnson A, Lewis J, Raff M, Roberts K, Walter P. Molekularbiologie der Zelle, 4. A., Wiley-Vch, Weinheim, 2004).

Um diese hochkomplexe Arbeit erfüllen zu können, brauchen die über 10 Milliarden Zellen eines Menschen Energie und Rohstoffe aus ihrer Umgebung, welche wir durch Atmen, Essen und Trinken unserem Körper zuführen. Ohne das Substrat Sauerstoff erlischt das Leben innerhalb von Minuten, ohne Wasser innerhalb von Tagen und ohne Essen innerhalb von Monaten.

Sauerstoff und Wasser sind essentiell und in ihrer Zufuhr klar: Wir atmen automatisch und versorgen mit mindestens 1,5 Liter Wasser täglich den erwachsenen Körper ausreichend. Komplizierter verhält es sich beim Essen. Es ist uns nicht unmittelbar ersichtlich, ob wir alle notwendigen Substanzen in der richtigen Dosierung zu uns nehmen.

Stimmt die Dosis nicht, verändern wir uns und entwickeln Symptome (physiologische, natürliche Veränderungen im Lauf des Lebens, z. B. hormoneller Art oder der natürliche Alterungsprozeß, sind damit nicht gemeint). Wir werden dicker oder dünner, gereizt, abgeschlagen, bekommen Schmerzen. Die Symptome beeinflussen sich gegenseitig; Abgeschlagenheit verstärkt Bewegungsmangel, Bewegungsmangel verstärkt Gelenkbeschwerden und Gewichtszunahme.

Neben den Rohstoffen, die wir zum Leben brauchen, nehmen wir zudem auch Stoffe auf, die uns schaden. In unserer heutigen Welt gibt es beispielsweise 60000 Kanzerogene. Das sind Stoffe, die die molekularbiologischen Abläufe stören und zu Krebs führen können, wenn die zellulären Reparaturmechanismen versagen. Daneben müssen wir uns gegen unzählige andere Schadstoffe in unserer industrialisierten Umwelt wehren. Außer nützlichen Bakterien (z. B. in der Darmflora) gibt es zahlreiche, die uns krank machen können, so auch Viren und Parasiten. Darüber hinaus existieren zahlreiche chemisch definierte Stoffe, zu denen auch Pharmazeutika gehören, mit deren schädlichen Nebenwirkungen sich die Molekularbiologie unserer Zellen auseinandersetzen muß.

Von Ignoranten (Unwissenden, nicht Erkennenden, die Wirklichkeit der menschlichen Natur Verkennenden) wird postuliert, daß wir bei einer gesunden Ernährungsweise dem Körper alles zuführen, was er braucht. Wenn dem so wäre, müßten viel mehr Menschen bis zum Lebensende vor Gesundheit nur so strotzen. Daß dem nicht so ist, erleben wir täglich an uns selbst und in unserer Umgebung. Zum einen können (oder wollen?) wir uns nicht immer optimal gesund ernähren und zum anderen werden auch diejenigen krank, die sich an eine ausgewogene oder abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise halten. Um gesund zu bleiben, müssen wir also sicherlich mehr tun, als die richtigen Nahrungsmittel aus dem Supermarktregal zu nehmen.

En vogue sind nicht so ganz lebensnahe Empfehlungen, wie fünfmal täglich Obst zu essen. Wegen der Glukosebelastung ist das einerseits schlecht für Diabetiker, andererseits in der Gastronomie noch nicht angekommen, in der Geriatrie nicht machbar und für Beruftätige schwer umsetzbar. Zwar zeigten Studien ein etwas geringeres Auftreten von Krebs unter den reichlich Obst Essenden (was auf die minimale Mehraufnahme an Polyphenolen und Vitamin C zurückzuführen sein dürfte), aber immer noch viel zuviel. Reichlich Obst und vor allem Gemüse zu essen im Verhältnis zu Fleisch und Zucker, ist auf jeden Fall gesundheitsfördernd, verhindert Krebs und andere Krankheiten aber sicherlich nicht.

Müßig zu erwähnen, daß Ernährungsempfehlungen meist auf Studien an gesunden und jungen Probanten beruhen. Bedeutsamer wären mehr Erkenntnisse über den Bedarf bei Alten, Kranken, Multimorbiden und Menschen unter jahrzehntelangen Dauermedikationen verschiedenster Art.

Wir sollten unserem Körper soviel Energie zuführen, wie er benötigt, und auch so viele Rohstoffe, wie er braucht. Das Problem ist, daß wir heutzutage mit unserer Ernährungsweise unseren Körpern zuviel Energie und zu wenig Rohstoffe zur Verfügung stellen.

Am Rande erwähnt sei, daß natürlich körperliche (und geistige) Bewegung nicht minder wichtig ist als die Ernährung. Sich täglich 15 bis 30 Minuten ordentlich zu bewegen, also egal wie ins Schwitzen zu kommen, bedeutet für die Gesundheit mehr als man glauben möchte. Beispielsweise fand man unter der Einnahme von täglich 200 µg Selen etwa 60 % weniger Dickdarmkrebse. Eine ähnliche Reduktion beobachtete man aber auch bei lediglich täglich einer halben Stunde intensiver Bewegung. Eine Studie mit Selen und halbstündiger Bewegung steht noch aus.
  
Das orthomolekulare Gesundheitskonzept
Gesundheitsseite Dr. med. B. G. Welker